Brennpunkt Gerätehaus

"Wir wollen keinen goldenen Palast, sondern eine funktonierende und zukunftsweisende Feuerwehr." - So Feuerwehr-Kommandant Konrad Pfeffer in der heutigen Ausgabe des Allgäuer Anzeigeblatt`s. Nach 17 Jahren fruchtloser Diskussion sollen im Kleinwalsertal die Gerätehaus-Neubaupläne endlich befeuert werden. Doch das Feuer der Begeisterung scheint im Rathaus eher vor sich hinzuglimmen.

Wenig Platz bleibt für einen Feuerwehrmann, sich für den Einsatz umzuziehen. Im Gerätehaus der Feuerwehr Riezlern liegt zwischen Wandgarderobe und geparktem Feuerwehrauto gerade mal ein Meter.

Bericht aus dem Allgäuer Anzeigeblatt vom 9. 8. 2007

Von Peter Schwarz

Riezlern / Kleinwalsertal
Es ist jedesmal ein hektisches Rangier-Abenteuer - und brandgefährlich obendrein. Wenn die Stützpunktfeuerwehr Riezlern wegen eines Einsatzes in Windeseile aus ihrem eingezwängten Geätehaus ausrücken muss, fällt zwischen Tourist-Information, Heimatmuseum und Gasthof "Traube" Millimeter-Arbeit an. Zustände, die Kommandant Konrad Pfeffer und seine Löschtrupps kaum noch aushalten. Ihre Forderung nach einem geräumigen Neubau wird nach 17 Jahren fruchtloser Diskussion vehement. Noch dazu ist der Fuhrpark veraltet. Indes, Bürgermeister Strohmaier bremst den Feuereifer der Floriansjünger.

"So etwas gibt es in ganz Österreich nicht. Wir haben die engste Einfahrt im Land." Feuerwehrmann Sascha Duffner drückt aus, was viele seiner Kameraden denken. Drei Feuerwehr-Kommandanten sind durch das Hin und Her um einen Um- oder Neubau des Spritzenhauses verschlissen worden, wobei manchmal die Feuerwehr selbst nicht  mehr genau wusste, was sie bevorzugen sollte. Wehrführer Konrad Pfeffer, im Zivilberuf Gemeindebediensteter, versucht jetzt den Befreiungsschlag: Ein Neubau soll her, auch wenn er nicht mehr so zentral liegen sollte wie bislang.

Schwelender Investitionsstau

Am nördlichen Ortseingang von Riezlern, beim alten Schnee-Abladeplatz, glaubt man den richtigen Standort gefunden zu haben. Zugleich legte die Feuerwehr in Übereinstimmung mit dem Vorarlberger Landesfeuerwehrverband ein Konzept vor, wie der schwelende Investitionsstau bei Unterbringung und Fahrzeugpark von der Gemeinde selbst bei klammer Kasse behoben werden könnte. Pfeffer: Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Die Feuerwehr will keineswegs zündeln. Den Brandschützern geht es um eine einvernehmliche Lösung aller Beteiligten. Nur die ewigen Arbeitskreise und Diskussionen ist man leid. Die heuer berücksichtigten 5000 Euro als Planungskosten für ein neues Gerätehaus werden als Beruhigungspille eingestuft. Fürs Jahr 2008 erhofft man sich, dass Nägel mit Köpfen gemacht werden. Doch das Feuer der Begeisterung scheint im Rathaus eher vor sich hinzuglimmen. Der Rathauschef verweist auf die enorme Beanspruchung der Kommune in den nächsten Jahren, um die Wirtschaftlichkeit des Tourismusziels Kleinwalsertal zu bewahren. Die Sorgen der Feuerwehr nehme man ernst, sagt Strohmaier in einer Stellungnahme. Aber trotz der Schwierigkeiten mit An- und Abfahrt am Gerätehaus sei die Einsatzfähigkeit der Löschzüge nach wie vor gewährleistet.
Feuerwehr-Kommandant Konrad Pfeffer





"Wir wollen keinen goldenen Palast, sondern eine funktioniernde und zukunftsweisende Feuerwehr."

Feuerwehr Riezlern: Zahlen und Chronologie

Feuerwehr Riezlern:
57 Aktive. Jugendfeuerwehr: 20 Mitglieder allein aus Riezlern, talweit 43.
Fahrzeugbestand:
7 Fahrzeuge, Durchschnittsalter fast 19 Jahre. Drehleiter DLK Baujahr 1981. Nach einer viermonatigen Reparatur (54 000 Euro) 2003 sollte die Ersatzbeschaffung 2011 (geschätzter Preis 750 000 Euro) erfolgen.
Gerätehaus Walser Straße:
erbaut vor 26 Jahren. Gewünschter Neubau außerorts Nähe Schwendebrücke (alter Schnee-Abladeplatz). Grobe Schätzung der Baukoste: 2 - 2,5 Millionen Euro, voraussichtliche Förderung durchs Land Vorarlberg 25%.
Chronologie:
November 1990 Antrag an die Gemeinde Mittelberg auf Erweiterung des Gerätehauses. April 1994 einstimmiger Beschluss der Gemeindevertretung für einen Neubau. Dezember 1997 einstimmiger Beschluss für einen Ausbau am bisherigen Standort. Oktober 2000 kleinere Umbauten abgeschlossen. November 2006: Eine politische Arbeitsgruppe setzt sich mit den Rettungsorganisationen wegen eines Investitionsplans für die nächsten zehn Jahre zusammen.


Zum Originalbericht der Allgäuer Zeitung vom 09.07.2007